Monat: August 2017

Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky

 

Ich bin sprachlos, wortlos. Weiß nicht, wie ich anfangen soll, dieses Buch in Worte zu fassen. Es hat mich gepackt, lässt mich nicht los, ich bin noch bei Luise, Frederik, Selma, Elsbeth, Marlies und dem Optiker. Es ist seltsam, was ein Buch mit mir machen kann. Ein Buch mit dem ich nur ein paar Tage verbracht habe. Das Buch ist ausgelesen, jedes Wort, viele davon habe ich mehrmals gelesen.  Die letzten 50 Seiten zu lesen habe ich rausgezögert, das Lesetempo verlangsamt.

Am liebsten würde ich sofort wieder von vorne anfangen. Und in den Zoo fahren, um ein Okapi zu sehen… Weiterlesen

Summertime von Vanessa Lafaye

 

Summertime – Die Farbe des Sturms

Die Geschichte spielt in Florida in den 1930er Jahren. Henry ist ein Schwarzer, er hat vor fast 20 Jahren das Land verlassen, um im ersten Weltkrieg für sein Land zu kämpfen. Nach vielen Jahres kehrt er, kaum wiederzuerkennen, in seine Heimat zurück. Mit anderen Soldaten wird er in einem heruntergekommenen Veteranenlager untergebracht. Weiterlesen

Der Freund der Toten von Jess Kidd

 

Der Freund der Toten

Der Hippie Mahony glaubt, dass seine Mutter ihn vor über zwanzig Jahren als Baby in einem Waisenhaus abgegeben hat.

Als er mit 26 Jahren einen Brief aus seinem Heimatdorf erhält, reist er dorthin, um die Geschichte seiner Vergangenheit zu erfahren. Hilfe bei seinen Ermittlungen bekommt er hauptsächlich von der alten Mrs Cauley, einer kranken, furchtlosen, gebrechlichen, frechen, selbstbewussten ehemaligen Schauspielerin, die fest davon überzeugt ist, dass Mahonys Mutter damals ermordet worden ist. Weiterlesen

Ein Festtag von Graham Swift

 

1924

Jane, ein junges Dienstmädchen, hat ein Verhältnis zu Paul, Sprössling aus begütertem Haus. Die Geschichte erzählt von einem Tag im März 1924, an dem sich Jane und Paul zum ersten und letzten Mal heimlich im Haus von Paul treffen. Paul steht kurz vor seiner standesgemäßen Hochzeit mit Emma. Es ist Sonntag und Muttertag, das Haus ist verlassen.

„Erst trat sie kräftig in die Pedale, dann ließ sie das Rad rollen, es wurde schneller, und sie hörte das Surren der Räder und spürte den Fahrtwind in ihrem Haar und ihren Kleidern, ja, in ihren Blutbahnen. Ihre Adern sangen, und sie selbst hätte auch singen können, wenn der Fahrtwind ihr nicht den Mund verschlossen hätte. Nie würde sie das Gefühl seliger Freiheit, das sie empfand, den Rausch, dass alles möglich war, erklären können. Im ganzen Land hatten Dienstmädchen und Köchinnen und Kindermädchen einen Tag frei bekommen, aber war auch nur eine von ihnen – war Paul Sheringham – so sorgenfrei wie Sie?“

Jane radelt mit ihrem Fahrrad durch das Haupttor, die beiden lieben sich bis Paul zu einem Treffen mit seiner zukünftigen Braut muss. Jane bleibt zurück und streift nackt durchs Haus, besonders die Bibliothek hat es ihr angetan. Bücher und Worte faszinieren sie. Jane schildert ihre Gedankengänge und philosophiert über das Leben, während sie alleine im Haus ist.

„All diese Szenen. Sie sich vorzustellen, hieß, sich das, was möglich war, vorzustellen, oder aber das, was wirklich war, vorwegzunehmen. Es hieß aber auch, das, was nicht existierte, heraufzubeschwören.“

Ein Unfall am selben Tag wird alles verändern.

Abwechselnd erzählt der Autor von diesem Märzsonntag und dem späteren Leben von Jane als gefeierte Schriftstellerin. Jane ist Waise und hat einen schweren Start ins Leben.

„Ich bin Waise, sagte sie dann zum soundsovielten Male. Ich kenne weder meinen Vater noch meine Mutter. Auch meinen wirklichen Namen nicht. Falls ich je einen hatte. Und das schien mir immer die beste Voraussetzung für den Beruf des Schriftstellers – besonders für einen Geschichtenerzähler. Ohne Empfehlungen zu bekommen. Ein leeres Blatt ausgehändigt zu bekommen, oder besser noch, ein leeres Blatt zu sein. Ein Niemand. Wie soll man ein Jemand werden, wenn man nicht erst ein Niemand war?“

Die Formulierung der Gedanken, die Jane durch den Kopf gehen, über das Leben, über sich, über die Schriftstellerei, über Reiche und Arme haben mich fasziniert. Die passende Wortwahl, die geschickte Satzgestaltung haben mich zum mehrmaligen Lesen einzelner Textabschnitte veranlasst.

„Und sie sagt nicht, was sie auch hätte sagen können, denn mit achtzig konnte sie es sich leisten, wie ein Orakel zu sprechen: Wir sind alle Brennstoff. Wir werden geboren, und wir brennen, manche schneller als andere. Und es gibt unterschiedliche Zündstoffe. Aber nicht zu brennen, nie zu entflammen, das wäre wahrhaftig ein trauriges Leben.“

Ein leises, dünnes Büchlein. Für mich sehr lesenswert.