David von Judith W. Taschler

 

Diese Rezension zu DAVID von Judith W. Taschler zu schreiben fällt mir schwer, weil ich mit jedem Satz, den ich schreibe, zu viel verraten könnte. Die Spannung dieses Romans ergibt sich nämlich aus der Frage, wie einzelne Handlungsstränge am Ende zusammengeführt werden. Und das macht Judith W. Taschler in meinen Augen grandios. Zentrale Themen dieses Romans sind Adoption, Familie und Herkunft. Vier Generationen kommen zu Wort. 

Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen. Das Lesen ist dadurch nicht immer einfach, als Leser wird man gefordert. Aber gerade dieses Nachdenken darüber, wie die unterschiedlichen Leben miteinander verbunden sind, macht es spannend. So spannend, dass man immer weiter lesen möchte. Kleine Kapitel machen es möglich, dem Lesen immer noch ein einige Seiten hinzuzufügen.

Magdalena ist die Protagonistin, über die wir am meisten erfahren. Wir begleiten sie nahezu durch ihr ganzes Leben. Ein nicht einfaches Leben. Magdalena verliert ihre Eltern und, was für sie noch viel schlimmer anmutet, auch ihre geliebte Großmutter Clara. Einige Zeit verbringt sie bei der 90-jährigen Tante ihrer Mutter, bevor auch diese verstirbt und Magdalena schließlich in einem Heim unterkommen muss. Ein unglückliche Zeit. Mit 17 geschieht ein weiteres einschneidendes Erlebnis in Magdalena´s Leben.

„Claras Tod war das Schlimmste, was ihr passieren konnte. Es stellte ihr junges Leben regelrecht auf den Kopf. Alles, was auf diesen heißen Augusttag folgte, waren in den ersten Jahren tägliche kleine Katastrophen, sie mündeten in einer einzigen großen Katastrophe, und die Folgen davon ließen aus ihrem Leben ein Desaster werden.“

Jahrzehnte später reist Magdalena zurück nach Kirchberg, einem kleinen Ort in Österreich. Mit dem Plan, das verwahrloste Haus ihrer Großmutter Carla zu renovieren. Auf diesem Grundstück trifft sie Jan, den sie als Baumschänder beschimpft.  Jan ist die zweite zentrale Figur oder vielleicht auch DIE zentrale Figur in dieser verschachtelten Geschichte.  Und auch der Baum, der nicht nur Mittelpunkt dieses Streitgespräches ist, taucht immer wieder im Geschehen auf. Dieser Baum, ein Davidsahorn, in dessen Rinde die Buchstaben „E“, „R“ und „V“ eingeritzt sind, wurde von Magdalena`s Großvater nach seiner Zeit als Kriegsgefangener in Frankreich in seinem Garten eingepflanzt. Viele Jahre später kommt eine Frau mit ihrem Auto an diesem Baum zu Tode.

Frau Taschler schreibt in einer eindringlichen Sprache. Diese Sprache und der geschickte, intelligente Handlungsaufbau auf mehreren Ebenen, machen mich zu einem Fan dieses Buches. Auch die beiden Romane, die ich von Frau Taschler gelesen habe, „Die Deutschlehrerin“ und „Bleiben“, haben mich begeistert.

Mein Fazit: Eine anspruchsvolle, spannende und meiner Meinung nach eine sehr lohnenswerte Lektüre!

Ich habe das Glück gehabt, Frau Taschler auf der Frankfurter Buchmesse kennenlernen zu dürfen. Die sehr sympathische Autorin war so nett, mir einige Fragen zu beantworten. Vielen Dank, liebe Judith!!!

Die Fragen und deren Antworten habe ich auch als gesonderten Beitrag unter der Kategorie „Fragen an Büchermenschen“ in diesem Blog veröffentlicht.

 

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