Lesemonat Dezember 2017

 

Im Dezember habe ich wieder das Glück gehabt, Bücher lesen zu dürfen, die mir wahre Freude bereitet haben. Viele Seiten habe ich gefressen und mich dabei zum ersten Mal für ein Stephen King Buch entschieden.

Sleeping Beauties von Stephen King:

Mein erstes Buch von Stephen King und direkt ein Pageturner. Ich habe dieses Buch gewählt, weil es mich vom Inhalt angesprochen hat und es sich nicht wirklich dem Horror-Genre zuordnen lässt. Stephen hat dieses Buch gemeinsam mit seinem Sohn Owen geschrieben. Worum geht es? In einer amerikanischen Kleinstadt wachen Frauen nach dem Einschlafen nicht mehr auf. Sie werden von einem spinnwebartigen Kokon umhüllt, in dem die Frauen weiterhin atmen und fest schlafen. Wird der Kokon zerstört, werden die Frauen zu aggressiven, mörderischen Wesen. Während des Schlafes befinden sie sich in einer Art Parallelwelt. Die Männer hingegen kommen mit dem „Verlust“ der Frauen nicht klar und verlieren sich in Alkohol, Streit, Gewalt und Machtgehabe. EINE Frau jedoch wacht immer wieder auf, eine Frau mit seltsamen übernatürlichen Fähigkeiten. Ein Großteil der Handlung findet in einem Frauengefängnis statt. Die auf dem Cover sichtbaren Motten kommen natürlich auch in der Geschichte vor.

Mein Fazit: Der Roman hat mich bestens unterhalten. Die Handlung ist spannend und das Ende war für mich nicht vorhersehbar. Das Buch weist einige Längen auf und hat mich sprachlich sicher nicht vom Hocker gerissen, dennoch habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Die Thematik der Trennung der Männer und Frauen ist sicherlich als amerikanische Gesellschaftskritik zu verstehen. Die übernatürlichen Elemente haben ihren Teil dazu beigetragen, dass ich mich überwiegend sehr gut unterhalten gefühlt habe.

Sleeping Beauties von Stephen King

Qualityland von Marc-Uwe Kling:

Schon die Känguru-Chroniken waren in unserer Familie sehr beliebt. Qualityland spielt in der Zukunft und ist in meinen Augen noch lustiger als die Dialoge mit dem Känguru und dabei äußerst interessant, weil in der Geschichte technische Errungenschaften Einzug in den Alltag erhalten haben, die im Leben unserer Kinder wahrscheinlich auch nicht mehr wegzudenken sein werden. Einige sind sicher jetzt schon kurz vor der Realisierung.

In der Geschichte haben die Menschen normale Vornamen, als Nachname halten die Berufe ihrer Väter her. So heißt eine Hauptfigur Peter Arbeitsloser.

Es gibt Androiden, die sich sogar für das Präsidentenamt bewerben.

Es gibt persönliche digitale Assistenten.

„Peter Arbeitsloser hat genug. „Niemand“, sagt er. „Ja, Peter?“, fragt Niemand. „Ich habe keinen Appetit mehr.“ „Okay“, sagt Niemand. Niemand ist Peters persönlicher digitaler Assistent. Peter selbst hat diesen Namen gewählt, denn er hat oft das Gefühl, dass Niemand für ihn da ist. Niemand hilft ihm. Niemand hört ihm zu. Niemand spricht mit ihm. Niemand beobachtet ihn. Niemand trifft für ihn Entscheidungen. Peter bildet sich sogar ein, dass Niemand ihn mag.“

Es gibt ein Einstufungssystem, dass für die Zugehörigkeit zu bestimmten Levels sorgt.

„Du fragst dich bestimmt, ob der Mann neben dir gerade wirklich mit einem Fingerschnipsen eine Ampel auf Grün geschaltet hat. Ja, das hat er. Wahrscheinlich sind dir auch die Leute schon aufgefallen, die im Restaurant früher bedient werden, obwohl sie später gekommen sind. Es wird sogar von Menschen berichtet, die durch eine Wischbewegung mit der Hand eine U-Bahn, die ihnen gerade vor der Nase weggefahren ist, wieder in den Bahnhof zurückholen können. Das alles hat nichts mit Zauberei zu tun, das sind Levelfähigkeiten.“

Es gibt keine Zufälle mehr.

Es gibt Maschinen, Automaten und Drohnen, die Peter verschrotten muss. So zum Beispiel eine Drohne, die unter Flugangst leidet, einen Kampfroboter mit posttraumatischer Belastungsstörung, eine E-Poetin, die keinen Bestseller mehr schreibt, ein QualityPad mit radikalen Ansichten, einen Sexdroiden mit Erektionsstörungen, einen 3D-Drucker, der nur noch 2D druckt, einen Operationsassistenten, der kein Blut sehen kann, einen Staubsauger mit Messie-Syndrom und einen elektronischen Rechtsanwalt, der eine Art Gewissen entwickelt hat.

Diese Maschinen, die sich in der Schrottpresse untereinander und mit Peter unterhalten, sind meine Lieblinge. Es ist köstlich ihre Dialoge zu lesen oder zu hören. Marc-Uwe Kling liest das Hörbuch selber und es ist großartig. Tränen vor Lachen sind die Folge. Aber auch Nachdenklichkeit. Sieht so unsere Zukunft aus? Eine Zukunft, in der man kaum zwischen Mensch und Maschine unterscheiden kann?

Im Roman wird das Leben von Algorithmen bestimmt. Qualitypartner sucht den optimalen Partner, TheShop schickt automatisch die richtigen Produkte, ohne dass man sie bestellt hat. Selbstfahrende Autos kennen das Ziel und können Gespräche führen.

Bitte lest dieses Buch! Es ist intelligente Unterhaltung vom Feinsten! Eine Zukunftssatire über die Folgen der Digitalisierung.

 

Nur drei Worte von Becky Albertalli:

Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Büchern geht es in diesem Buch um große Gefühle, Liebe, Freundschaft.

Sehr schnell merkt man, um welche drei Worte es in dem Buch geht. Worte, die wahrscheinlich für einen 16jährigen Jungen schwer auszusprechen sind.

Simon und Blue schreiben sich E-Mails ohne sich persönlich je begegnet zu sein. Simon möchte  das ändern und Blue kennenlernen. Blue sträubt sich dagegen. Die E-Mails geraten in fremde Hände und die Probleme für Simon mehren sich.

Ja, es geht um Homosexualität. Die Autorin nimmt sich diesem Thema so authentisch und gefühlvoll an, dass man berührt ist beim Lesen. Es ist großartig, wie Becky Albertalli ihren Charakteren Leben einhaucht. Ich jedenfalls habe Simon, Blue und ihre Freunde und Freundinnen in mein Herz geschlossen. Die feinsinnige und einfühlsame Sprache passt perfekt zur Geschichte. Oft musste ich lächeln und schmunzeln angesichts so vieler rührender Momente voller Humor.

Ein Jugendbuch nicht nur für Jugendliche! Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2017 (Jugendjury).

 

Acht Berge von Paolo Cognetti:

Ich habe diesen Monat sehr abwechslungsreiche Bücher verschlungen. In „Acht Berge“ geht es weder um die großen Gefühle und schon gar nicht um Zukunftstechniken oder übernatürliche Fähigkeiten und Ereignisse. Wenn ich dem Buch Schlagworte zuordnen müsste, fallen mir die Worte: Heimat, Berge, Natur, Einsamkeit und Freundschaft ein. Pietro und Bruno verbringen ihre Sommer gemeinsam in einem Bergdorf.

„Warum freundest du dich nicht mit ihm an?“, fragte meine Mutter eines Abends am Ofen. Das Haus hatte sich mit der Feuchtigkeit zu vieler Winter vollgesogen, daher machten wir abends ein Feuer und wärmten uns daran, bis es Zeit wurde, zu Bett zu gehen. Jeder von uns las in seinem Buch, und hin und wieder, kurz vor dem Umblättern, ließ sie die Flammen und das Gespräch aufleben. Der große Ofen hörte uns zu.“

Während Pietro nur in den Sommermonaten mit seinen Eltern dort wohnt, lebt Bruno das ganze Jahr und schließlich sein ganzes Leben dort. Als Kinder entdecken sie die Natur, folgen dem Lauf des Wildbaches. Als Erwachsene bewirtschaftet Bruno eine abgelegene Alm, Pietro wohnt meist in der Stadt. Aber auch ihn zieht es immer wieder in die Berge der Welt. Nach dem Tod seines Vaters kehrt Pietro zurück in sein Heimatdorf und baut gemeinsam mit Bruno ein Häuschen oben in den Bergen in abgeschiedener Einsamkeit. Letztendlich werden verschiedene Lebensentwürfe gegenübergestellt. Als Leser stellt man sich die Frage, für welches der beiden Leben man sich selber entschieden hätte. Die Sprache des Autors passt perfekt zur Geschichte, ruhig, fein, stimmig. Als Leser spürt man die Naturgewalten genauso wie die Ruhe, die Einsamkeit in den Bergen. Eine Geschichte, die mich beim Lesen beruhigt und verlangsamt hat und das empfinde ich als großes Kompliment für ein Buch. Ein Lesehighlight!

„Währenddessen zeichnete er außerhalb des Rades hinter jede Speiche eine kleine Spitze und zwischen diese Spitzen eine kleine Welle: acht Berge und acht Meere. Zum Schluss malte er eine Krone in die Mitte des Rads, die aber genauso gut der verschneite Gipfel des Sumeru sein konnte. Kopfschüttelnd musterte er sein Werk, als hätte er diese Zeichnung schon tausendmal gemacht, wäre jetzt aber ein wenig aus der Übung. Dann zeigte er mit dem Stock auf die Mitte und sagte:“ Bei uns heißt es immer: Wer hat mehr gelernt? Derjenige, der alle acht Berge gesehen, oder derjenige, der den Gipfel des Sumeru bestiegen hat?“

Acht Berge von Paolo Cognetti

Ich wünsche euch ein tolles, aufregendes Jahr 2018 mit schönen Leseerlebnissen, mit Zeit zum Genießen, mit lieben Menschen und natürlich Gesundheit!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.