Lesemonat November 2017

 

Vier meiner in den letzten Wochen gelesenen Bücher kann ich euch wärmstens ans Herz legen. Jedes ist auf seine Art ein besonderes Leseerlebnis.

Tyll von Daniel Kehlmann:

Tyll habe ich verschlungen. An drei Abenden waren die Seiten gefressen. Eigentlich bin ich kein großer Fan der Bücher von Daniel Kehlmann. Die Figur des Tyll (Till Eulenspiegel) hat mich jedoch begeistert. Eulenspiegel hat eigentlich ca. 200 Jahre vor der Handlung dieses Buches gelebt. Hier findet sein Leben zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges statt. Als Sohn eines Müllers geboren, macht er sich in jungen Jahren mit der Bäckerstochter auf und davon, als sein Vater in einen Konflikt mit der Kirche gerät. Der Narr zieht durchs vom Krieg gebeutelte Land und trifft auf historische Persönlichkeiten. Die Kombination des Buches als unterhaltsame und lehrreiche Lektüre hat mir sehr gut gefallen. Kehlmanns Sprache ist ein Genuss. Gerne hätte ich den Narren weiter auf seiner Reise begleitet. Erst durch dieses Buch ist mir das Wort „Narrenfreiheit“ zu einem Begriff geworden. Tyll hält den Fürsten, Kirchenherren, Machthabern lachend den Spiegel der Wahrheit vor. Als Narr durfte er das ungestraft und öffentlich tun. Herrlich…

 

 

Das Floss der Medusa von Franzobel:

Vor einigen Wochen habe ich das Buch bereits gelesen und noch jetzt habe ich die Handlung klar vor Augen. Die harte und grausame Zeit auf dem Floss hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt und wirkt immer noch nach. Und gerade das macht für mich ein gutes Buch aus. Man sieht einen Buchrücken im Regal, nimmt es in die Hand und erinnert sich wieder. Fühlt den Sturm, den Hunger, die Gewalt auf dem Wasser. Die ganze Zeit des Lesens begleitete mich eine beklemmendes Gefühl. Der Untergang der Fregatte Medusa hat im Sommer 1816 tatsächlich stattgefunden. Erst 1980 wurde das Wrack vor der Küste von Mauretanien gefunden. Auf dem Schiff waren ungefähr 400 Menschen, 17 Passagiere und Besatzungsmitglieder blieben an Bord, viele retteten sich auf die 6 Beiboote, 147 Menschen gingen auf ein provisorisch gebautes Floss. Was diese Menschen auf dem Floss erleiden und was sie miteinander machen, ist lesend nur schwer zu ertragen. Nur wenige Überlebende erreichen nach zwei Wochen die afrikanische Küste. Franzobel schildert in eindringlichen Worten die Gewalt, das Leiden, die Hinterhältigkeit und das Miteinander auf dem Floss. Seine Sprache ist großartig, oft wird der Leser mit in die Geschichte einbezogen.

 

 

Das Lied der Krähen von Leigh Bardugo

Auf dieses Buch bin ich auf der Frankfurter Buchmesse aufmerksam geworden. Das Regal, in dem das Buch eigentlich sehr zahlreich friedlich stehen sollte, war seltsam leer. So wurde ich neugierig auch weil das Buch optisch sehr schön gestaltet ist. Ab und an lese ich gerne Fantasy-Bücher und in diesem Fall habe ich es nicht bereut. Sechs Außenseiter sind im Land der Grischa zu einer gefährlichen Reise aufgebrochen, um einen großen Magier aus dem bestgesicherten Gefängnis, dem Eistribunal, zu befreien. Kaz ist ihr Anführer. Er verdient mit Diebstählen und anderen kriminellen Machenschaften seinen Unterhalt. Begleitet wird Kaz von einer Spionin, einem Verurteilten mit unstillbarem Verlangen nach Rache, einer Magierin mit außergewöhnlichen Kräften, einem Scharfschützen, der keiner Wette widerstehen kann sowie einem Ausreißer aus gutem Hause mit einem Händchen für Sprengstoff. Eine spannende Geschichte mit vielschichtigen Charakteren, die mich einige Tage gut unterhalten hat.

 

 

Ich so du so vom Labor Ateliergemeinschaft

Ein wunderschön illustriertes Buch zum Thema „Was ist schon normal?“, das mich in der Buchhandlung zu einem spontan Kauf animiert hat, weil es sehr schön präsentiert war. Es geht um die Einzigartigkeit eines jeden Menschen. Jede Seite ist anders, bunt, froh, mit vielen Fotos und Zeichnungen. Ein Buch für Jung und Alt!

  

Bis bald!

 

 

2 Kommentare

  1. Hallo Michaela,
    Von Tyll hab ich schon echt viel Gutes gehört und es spricht mich wirklich an. Aber Daniel Kehlmann ist recht eigenwillig, das stimmt. Mal sehen, ob ich es mir nächstes Jahr kaufe und mir mein eigenes Bild davon mache.
    Liebe Grüße
    Lisa

    • Hallo Lisa!
      Vielleicht probierst du es mit einer Leseprobe? Ich habe schon nach wenigen Seiten gemerkt, dass mir das Buch richtig gut gefällt. Bei „Die Vermessung der Welt“ war es genau umgekehrt. Solltest du es lesen, wünsche ich dir viel Spaß!
      Liebe Grüße
      Michaela

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