Die Farbe von Milch von Nell Leyshon

 

„Mein Name ist Mary. Mein Haar hat die Farbe von Milch. Und dies ist meine Geschichte.“

Es ist immer wieder schön, ein Buch zu finden, das einem zu Herzen geht. Das berührt und unvergesslich bleibt. Das einen staunend und ergriffen zurücklässt. Dieser Roman von Nell Leyshon hat das alles geschafft und noch viel mehr.

Die Geschichte wird aus Sicht der Ich-Erzählerin Mary geschrieben. Wir befinden uns im Jahr 1831 als Mary ihre Erlebnisse des letzten Jahres aufschreibt. Das Buch ist in vier Kapitel aufgeteilt, die jeweils eine Jahreszeit umfassen. Sie ist 15 Jahre alt, wächst als jüngstes Familienmitglied auf einem Bauernhof auf, der unter der harten und herzlosen Regie ihres Vaters geführt wird. Mit ihren Eltern und ihren drei älteren Schwestern lebt sie ein arbeitsintensives Leben auf dem Hof. Der einzige Lichtblick in ihrem Leben ist ihr alter, kranker Großvater. Eines Tages schickt der Vater Mary zum Dorfpfarrer, um dessen kranke Frau zu pflegen und um in dessen Haushalt zu helfen. Dies tut der Vater nicht aus Barmherzigkeit, sondern weil er dafür Geld erhält. Dort kommt das junge Mädchen mit Büchern in Berührung, die den Ehrgeiz in ihr wecken, Lesen und Schreiben zu lernen. Endlich könnte es für sie aufwärts gehen. Doch leider ahnen wir als Leser schon relativ früh, dass irgendetwas Schreckliches geschehen wird…

Mary lernen wir als ein aufgewecktes, humorvolles, fleißiges und ehrgeiziges Mädchen kennen. Sie redet viel und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Die Dialoge brachten mich oft zum Schmunzeln. Mary schreibt grammatikalisch oft fehlerhaft. Was man ihr als Leser verzeiht. Was verständlich ist, sie hat es gerade erst gelernt. Was sie sympathisch macht.

„Mary, sagte sie. Was machst du da?

Nach was sieht es denn aus? fragte ich.

Sieht so aus als würdest du die Hühner rauslassen, sagte sie.

Ach wirklich? sagte ich. Das ist ja komisch, denn in Wahrheit hab ich ja mit dem jungen Hahn getanzt und dann haben wir zusammen ein Festmahl gegessen und dann kam das Schwein dazu und hat sich auf den Stuhl am Kopfende der Tafel gesetzt und uns ein Lied vorgesungen.

Bei dir ist auch keine Besserung in Sicht, sagte sie.

Wie auch? fragte ich. Ich bin ja nicht krank.

Du solltest weniger reden und mehr arbeiten, sagte sie.

Und du solltest weniger drauf schauen was andere Leute machen, sagte ich, und lieber selbst mehr machen. Wo bist du gewesen?

In der Kirche.

Na davon werden die Tiere auch nicht gefüttert, oder?

Könnte aber sein dass Gott dann dafür sorgt dass sie überhaupt Futter haben.

Schau mich an, sagte ich, ich hab diese große Futterkiste rausgekehrt. Ich hab nicht gesehen dass Gott da seine Finger im Spiel gehabt hätte.

Kann schon sein dass er kein Futter rumzerrt, sagte sie, aber er lässt es wachsen.

Verdammt aber auch, sagte ich, und ich dachte doch tatsächlich ich hätte die ganze Saat ausgebracht.“

Die einfache Sprache hat einen besonderen Ton. Sie ist poetisch, anders, lässt uns besonders nah an der Handlung sein. Ich habe jede Zeile dieses faszinierenden Buches genossen. Die Geschichte hat mich traurig und nachdenklich zurückgelassen, aber auch glücklich, dieses Buch gelesen zu haben.

Vielen Dank an den jungen EISELE VERLAG, der dieses Buch veröffentlicht hat, und mir damit ein großartiges Lesevergnügen bereitet hat.

Das Cover ist übrigens auch sehr, sehr schön.

Bitte lest dieses Buch!

 

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