DNA von Yrsa Sigurdardóttir

 

Ein Thriller, den ich zunächst nur gelesen habe, weil er in Island spielt. Meinem Traumziel. Und weil mich das Cover angesprochen hat. Es sieht aus und fühlt sich so an, als sei das Klebeband wirklich aufgeklebt. 

Zugegeben, normalerweise gehören Krimis und Thriller nicht zu meiner bevorzugten Bücherwahl. Nun bin ich am Ende des Buches angelangt und ich bin froh, zugegriffen zu haben. Zwar spielt das Thema Island keine wirkliche Rolle, die Handlung könnte überall sonst auf der Welt stattfinden, trotzdem hat mich das Buch überzeugt. Spannung, Sprache, Handlungsaufbau, Charaktere haben mich das Buch kaum zur Seite legen lassen.

Worum geht es?

Innerhalb kürzester Zeit werden in Reykjavik zwei Morde verübt. Zunächst an einer jungen Mutter in ihrem eigenen Haus. Auf grausame und ungewöhnliche Weise. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass Klebeband hierbei eine große Rolle spielt. Zeugin dieses Mordes wird die siebenjährige Tochter des Opfers. Der zweite Mord wird an einer pensionierten Biologielehrerin verübt. Eine wichtige Rolle nimmt der junge Amateurfunker Karl ein, der verschlüsselte Botschaften erhält, die in irgendeiner Form mit den Morden zusammenhängen.

Kommissar Huldar leitet die Ermittlungen und muss ausgerechnet mit der Psychologin Freyja zusammenarbeiten, die er nach einer gemeinsam verbrachten Nacht verlassen hat.

Beim Lesen hatte ich zunehmend das Bedürfnis hinter Türen zu schauen oder einen kurzen Blick über die Schulter zu werfen. Insgesamt passieren „nur“ drei Morde im Buch, es fließt wenig Blut und doch ist das Buch stets spannend. Bei der Beschreibung der Morde fühlte ich mich, als würde jemand mein Herz umfassen und zusammendrücken.

Die Handlung fließt eher ruhig dahin, klammert sich nicht von Cliffhanger zu Cliffhanger und doch wollte ich immer weiterlesen, es entwickelte sich ein Lesesog. Die Personen waren nicht einseitig, sondern interessant, vielseitig und nicht in eine Schublade zu stecken. Private Verwicklungen des Kommissars Huldar mit der Psychologin Freyja und der Frau eines Kollegen bieten zusätzlichen Konfliktstoff. Die ruhige und kluge Erzählweise und die authentischen Charaktere haben dazu beigetragen, dass ich mich fühlte wie ein Zuschauer im Raum.

„….lag nackt auf dem Metalltisch in der rechtsmedizinischen Abteilung des Landeskrankenhauses. Es sah aus, als würde sie geduldig die Obduktion über sich ergehen lassen. Die schlanken Arme neben dem Körper, die Beine ganz gerade – keine Lebender hätte diese Position zum Ausruhen gewählt. Das dunkle, lange Haar hing vom Tisch herab, es war noch feucht vom Waschen der Leiche nach der äußeren Untersuchung und der schrecklichen Prozedur des Klebeband-Entfernens.“

Bis zum Ende hatte ich keine Ahnung, wer der Mörder sein könnte. So war das Ende ziemlich überraschend und doch stimmig. Hätte ich nicht darauf kommen können? Nein, ich glaube nicht.

Zum Glück ist aktuell der 2. Band der Reihe um Kommissar Huldar und der Psychologin Freyja mit dem Titel „SOG“ im btb Verlag erschienen. Dieses Buch kommt natürlich sofort auf meine Wunschliste.

Auf jeden Fall ein empfehlenswertes Buch!

 

 

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