Lesemonat Februar 2018

 

Ich habe es tatsächlich geschafft in diesem Monat 7 Bücher zu lesen. Ok, es waren einige dünne Büchlein dabei und einige Urlaubstage mit Zeit zum Lesen durfte ich auch genießen.

Im Moment fasziniert mich Japan sehr, so dass die Auswahl meiner Bücher leicht japanisch angehaucht ist. Mit Haruki Murakami habe ich eine tolle Leseerfahrung erlebt, so dass ich gerne weitere japanische Autoren oder Geschichten für mich entdecken möchte.

Die Ermordung des Commendatore von Haruki Murakami:

Was für ein Buch! Ich bin restlos begeistert, auch wenn einige Fragen und Rätsel erst im zweiten Band geklärt werden und somit vieles offen bleibt. Nichtsdestotrotz und unabhängig von der Fortsetzung der Handlung im neuen Buch, das im April erscheinen wird, gehört es jetzt schon zu meinen Lieblingsbüchern. Ein Buch, das ich schwer zur Seite legen konnte, das ich bewusst langsam gelesen habe, bei dem ich mir viele Sätze markiert und in mein Notizbuch übertragen habe.

Die surrealen Geschehnisse um den Commendatore, das Bild, das der namenlose Ich-Erzähler auf dem Dachboden seiner von einem Freund überlassenen Unterkunft in der Abgeschiedenheit der Berge findet, das mysteriöse Klingeln eines Glöckchens und viele seltsame Ereignisse haben mich in das Buch hineingezogen. Schon nach wenigen Seiten war ich im Buch, folgte dem Erzähler auf seiner Reise durch Japan, nachdem ihn seine Frau plötzlich nach sechs Jahren Ehe verlassen hat. Nach wochenlanger zielloser Fahrt mit seinem alten Auto bekommt er schließlich das Cottage mietfrei zur Verfügung gestellt. Dort soll er ein Porträt von einem seltsamen Nachbarn anfertigen, der dafür sehr viel Geld bezahlen wird. Ich möchte nicht mehr von der Handlung wiedergeben, obwohl es eigentlich noch wahnsinnig viel mehr zu erzählen gibt. Lest es einfach!! 😉

„Was war mit mir los? Vielleicht lag es daran, dass ich zu lange meinen Lebensunterhalt mit der Porträtmalerei verdient hatte. Vielleicht hatte ich dadurch meine natürliche Intuition geschwächt. So wie der Sand am Ufer des Meeres allmählich von den Wellen abgetragen wird. Jedenfalls hatte die Strömung irgendwo eine falsche Richtung eingeschlagen. Ich brauchte Zeit, das war mir klar. Das war etwas, wofür ich Geduld haben musste. Ich musste die Zeit auf meine Seite bringen. Wenn ich das schaffte, würde ich bestimmt wieder ins richtige Fahrwasser gelangen. Doch offen gestanden war ich nicht ganz überzeugt.“

Das Buch ist sehr ruhig geschrieben, ohne große Actionszenen, doch hört jedes Kapital mit einem kleinen Cliffhanger auf, der es einem fast unmöglich macht, mit dem Lesen aufzuhören. Die Stimmung, die das Buch in mir erzeugt hat, war anders als bei anderen Büchern, es war Lesen mit allen Sinnen. Dieses Buch hat mir aufgezeigt, warum ich das Lesen liebe. Ich tauche ein in fremde Welten, in denen Surreales passiert, Dinge für die es eigentlich keine Erklärungen geben kann. Lasse mich vom Erzähler einhüllen durch Worte, hinein in spannende Geschehnisse, in die Abgeschiedenheit eines japanischen Porträtmalers und in dessen erstaunliche Begegnungen.

„Wieso war ich so optimistisch gewesen? Oder besser gesagt: so arglos? Zweifellos gab es in meinem Gesichtsfeld so etwas wie einen angeborenen toten Winkel. Irgendwann hatte ich etwas übersehen. Etwas äußerst Wichtiges.“

Interessant sind die Kapitalüberschriften, so z.B. „Sich einen Weg durch hohes grünes Gras bahnen“. Diese Sätze finden sich so in der Handlung des jeweiligen Kapitels.

„Sie legte beide Hände auf den Tisch und blickte in den Kaffeebecher, der vor ihr stand, als wollte sie etwas daraus lesen. Ihrem Blick nach zu schließen handelte es sich um einen ziemlich symbolträchtigen und vieldeutigen Text.“

Meine Vorfreude auf Band 2 ist dementsprechend riesengroß. Bewertung 6/5 😉

 

Ich treffe dich zwischen den Zeilen von Stephanie Butland:

Ein Buch, das in der Welt der Bücher spielt, zieht mich immer magisch an. Beim Lesen dieser Geschichte über die sympathische, junge Frau Loveday habe ich mich gut unterhalten gefühlt, auch wenn einige Schicksalsschläge von den Protagonisten zu erdulden sind und den Leser treffen. Als ihre Mutter ins Gefängnis muss, gerät die Welt von Loveday aus den Fugen, ihre Familie bricht auseinander. Archie nimmt sie auf in seinem Antiquariat und in der Welt der Bücher versucht sie, mit der Vergangenheit abzuschließen. Bis eines Tages Bücher von ihrer Mutter im Buchladen auftauchen.   Bewertung 4/5

 

 

Birthday Girl von Haruki Murakami:

Ein optisch wunderschönes Buch, illustriert von der fantastischen Kat Menschik. Die Geschichte ist schnell gelesen. Eine junge Frau arbeitet als Kellnerin in einem Hotel-Restaurant in Tokio. An ihrem Geburtstag erhält sie einen sonderbaren Auftrag. Sie soll dem Besitzer des Hotels, der in Zimmer 604 wohnt, um Punkt acht Uhr sein Abendessen aufs Zimmer bringen. Sie wird ins Zimmer gebeten und soll sogar ein Glas Wein mit dem älteren Herrn trinken. Die Begegnung gipfelt darin, dass die Kellnerin einen Wunsch äußern soll.

Das Buch stimmt nachdenklich. Welche Rolle spielen Wünsche im Leben?

Das etwas offene Ende hat mir nicht so gut gefallen, dennoch war es für mich ein sehr lesenswertes kurzes Büchlein, das man in einem Rutsch gelesen hat.  5/5

 

 

Herr Origami von Jean-Marc Ceci:

Dieses dünne Büchlein ist eine Perle. Fantastisch geschrieben, in ruhigen poetischen Worten. Nur wenige Zeilen finden sich auf einer Seite. Man kann so beim Lesen innehalten und genießen, die Handlung wirken lassen, sich entschleunigen und beruhigen.

Worum geht es? Herr Origami hat sich in ein kleines Dorf in der Toskana zurückgezogen. Er stellt Washi her, traditionelles japanisches Papier. Eigentlich heißt er Kurogiku und ist vor langer Zeit einer wunderschönen Italienerin von Japan nach Italien gefolgt, erfolglos. Er konnte sie nicht finden. Seitdem lebt er in dem kleinen Dorf und stellt Papier her. Eines Tages begegnet er dem jungen Uhrmacher Casparo, der in der Toskana in Ruhe an einer hochkomplizierten Uhr arbeiten möchte, die alle Zeitmessungen darstellen soll. Die Dialoge der beiden sind großartig. Ein kleines, aber feines Büchlein. 5/5

 

Herr Kato spielt Familie von Milena Michiko Flasar:

Ein Roman über einen Mann im Ruhestand. Unzufrieden mit seiner Familie, die Kinder sind aus dem Haus, das Verhältnis zu seiner Frau ist erkaltet, weiß er nicht wirklich etwas mit seiner Zeit anzufangen. Auf dem Friedhof trifft er eine seltsame, junge Frau. Sie leitet die Agentur „Happy Family“. Und so fängt er eines Tages an für diese Agentur Aufträge anzunehmen, so als Opa und Ex-Mann. Während seine Frau zu tanzen beginnt und nichts ahnt von dem, was ihr Mann tut, schlüpft der Rentner in verschiedene Rollen. Ich habe das Buch gerne gelesen. Leider gab es einige langweilige Seiten, an denen mehr möglich gewesen wäre. Dennoch ein gutes Buch. 4/5

 

Sakari lernt, durch Wände zu gehen von Jan Costin Wagner:

Ein großartiger literarischer Krimi, der für mich nur zweitrangig ein Krimi ist. In erster Linie wird der Umgang mit Schicksalsschlägen in zwei Familien zum Thema gemacht. Es gibt einen schrecklichen Verkehrsunfall, der bis in die Gegenwart nachwirkt. Ein Haus brennt ab. Ein nackter Mann in einem Brunnen wird von einem Polizisten erschossen. Im Mittelpunkt steht der Ermittler Kimmo Joentaa, der den Schicksalen der Beteiligten nachgeht. Das Buch ist also ein Kimmo-Joentaa-Roman, dessen vorherige Teile vielfach ausgezeichnet wurden. Mir hat die auffallend schöne Sprache gefallen. Normalerweise lese ich keine Krimis oder nur selten, aber dieser hat mir aufgrund seiner sprachlichen Qualität sehr, sehr gut gefallen. 5/5

Ich hatte das Glück, Jan Costin Wagner bei einer Radioaufzeichnung für die Sendung 1Live Klubbing kennenzulernen und mir mein Buch signieren zu lassen. Jan Costin Wagner hat dort Passagen seines Buches vorgelesen und Fragen der Moderatorin beantwortet. An dieser  Veranstaltung fürs Radio teilzunehmen, war ein interessantes Erlebnis.

 

Der Gang vor die Hunde von Erich Kästner:

Text vom Buchrücken: Fabian ist Erich Kästners Meisterwerk. Doch der Roman wurde vor seinem Erscheinen verändert und gekürzt. Jetzt liegt er so vor, wie ihn Kästner geschrieben und gemeint hat – unter dem Titel, den Kästner ursprünglich vorgesehen hatte: Der Gang vor die Hunde.

Ich muss gestehen, dass ich den Namen Erich Kästner lange Zeit nur mit Kinderbüchern in Verbindung gebracht habe. „Emil und die Detektive“ hat mir schon als Kind viel Freude bereitet. „Der Gang vor die Hunde“ ist Unterhaltung auf höchster Ebene, intelligent, sprachlich berauschend, mit köstlichen Dialogen.

„Und zweitens fand Labudas Vater, die zarte Gesundheit seiner Frau erfordere südlichen Aufenthalt. Er liebte seine Frau sehr, besonders in ihrer Abwesenheit. Seine Zuneigung wuchs im Quadrat der Entfernung, die zwischen ihnen lag. Er war ein bekannter Verteidiger. Da seine Klienten viel Geld und viele Prozesse hatten, hatte auch er viele Prozesse und viel Geld.“

Ich habe oft lächeln müssen beim Lesen und die Formulierungen sehr genossen. Ein tolles Buch über die Liebe in allen Facetten, gekauft, verkauft, erloschen, feurig, leidenschaftlich, unglücklich. Fabian steht im Mittelpunkt der Geschichte und hat es nicht leicht, nachdem er seinen Job verloren hat.  5/5

Es wird sicher nicht lange dauern bis zum nächsten Buch, das ich von Erich Kästner lesen werde, „Das Blaue Buch“, ein Kriegstagebuch, reizt mich sehr. Habt ihr es schon gelesen?

 

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