Lesung mit Lize Spit: Und es schmilzt

 

Vor einigen Tagen hatte ich das Glück an einer Lesung von Lize Spit im Literaturhaus Köln teilnehmen zu dürfen.

Lize Spit ist eine junge, sympathische Autorin aus Belgien, wo sie 2016 der Shootingstar der Literaturszene war. Ihr Buch „Und es schmilzt“ stand ein Jahr lang auf Platz 1 der belgischen Bestsellerliste und ist vor kurzem auch hier in Deutschland erschienen. Während der Lesung berichtete Lize Spit, dass ihr Buch in Belgien erst durch Crowdfunding veröffentlicht werden konnte, d.h. es wurden 3.000 Leser gesucht, die das Buch mit jeweils 50,- Euro fördern wollten. Als diese gefunden waren, gab es für das Buch kein Halten mehr, es wurden in Belgien inzwischen mehr als 170.000 Exemplare verkauft. Die junge Frau gewann in Belgien zahlreiche Literaturpreise.

Auch ich habe das Buch natürlich gelesen, gerne gelesen. Wenn ich jetzt behaupten würde, es hätte Spaß gemacht, „Und es schmilzt“ zu lesen, würde ich lügen. Mit Spaß hatte das Lesen und hat auch der Inhalt des Buches gar nichts zu tun. Was man liest ist bedrückend, grausam, ergreifend, traurig, harter Tobak also. Dennoch hat mich die Handlung gepackt, von Seite zu Seite wurde es spannender, ich habe nicht wirklich geahnt, wie die Geschichte ausgehen würde, nur befürchtet, dass sie kein gutes Ende nehmen würde.

Zum Inhalt kann man nicht allzu viel sagen ohne Entscheidendes vorwegzunehmen. Die Geschichte ist eigentlich in wenigen Sätzen zusammenzufassen, ich möchte mich hier nur auf den groben Rahmen beschränken. Es gibt zwei Handlungsstränge. Der erste Strang spielt in der Gegenwart 2015. Die Hauptperson Eva, Mitte zwanzig, bekommt eine Einladung von Pim, einem Freund aus Kinder- und Jugendtagen.

„…Wie ihr wisst, wäre in diesem Monat nicht nur Jan dreißig geworden, auch unsere fast vollautomatische Melkanlage wird eingeweiht. Zeit, um noch einmal bei Drinks und Häppchen zusammenzukommen.“

So kehrt Eva 13 Jahre, nachdem sie das Dorf verlassen hat, zurück nach Bovenmeer, mit einem großen Eisblock in ihrem Auto.

Der andere Handlungsstrang findet statt im Sommer 2002. Unglaubliche Dinge passieren zwischen ihr und ihren Freunden, Pim und Laurent.  Eva wächst auf mit zwei Geschwistern, Jolan und Tesje, ihre Eltern sind Alkoholiker.

Lize Spit schildert aus der Sicht der Ich-Erzählerin Eva distanziert und gefühlskalt die Ereignisse, die in dem kleinen Dorf passieren, in schöner Sprache, mit spannendem Handlungsaufbau.

Am Ende bleibt man fassungslos und bedrückt zurück. So ging es mir jedenfalls.

Auf jeden Fall ein lesenswertes, schön gestaltetes Buch von einer tollen Autorin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.