Süßer Ernst von A.L. Kennedy

 

Süßer Ernst von A.L. Kennedy war mein erstes in 2019 beendetes Buch. Und? Wow!  Es hat mich mit voller Breitseite getroffen. Es ist großartig, anders, liebenswert, traurig, lustig, bitter, fantastisch geschrieben, süß, ernst. Der Titel passt perfekt.

Worum geht’s? Jon ist 59 Jahre alt, Regierungsmitarbeiter in London, geschieden, Vater der erwachsenen Tochter Becky. Seine Ehe mit Val war alles andere als glücklich, in der Beziehung zu seiner Tochter ist er unsicher, für sein Ministerium muss er unmoralische Aufträge erfüllen.

„Der Handschlag des Ministers fühlt sich an, als würde man warme Scheiße in einer Socke gereicht bekommen.“

Jon schaltet eine Anzeige in der Zeitung, er bietet sich als Briefeschreiber an, Kunden sind einsame Frauen, die

„Zuneigungsbekundungen und Respekt wöchentlich geliefert“

bekommen. Eine dieser Frauen ist Meg, Single, vom Leben und Männern gebeutelt, ehemalige Wirtschaftsprüferin, jetzt Büroangestellte in einem Tierheim. Es findet ein Briefaustausch zwischen den beiden ins Straucheln geratenen Menschen statt, es entstehen Briefe mit süßem Ernst. Sie treffen sich, verpassen sich, verabreden sich erneut. Es entwickelt sich eine zarte, aber unsichere Liebe. Das Geschehen in der Erzählung umfasst einen Zeitraum von 24 Stunden. Die Autorin erzählt abwechselnd von John und Meg, eingeschoben sind immer wieder innere Monologe der beiden Protagonisten. Diese Art des Erzählens ist einfach nur toll. Ich ziehe meinen Hut und habe großen Respekt vor der Schreibweise der Autorin. Jon und Meg sind mir ans Herz gewachsen, gerne hätte ich sie ab und an in den Arm genommen.

„Wenn jemand dich in den Arm nimmt, dich umarmt, dann bist du nicht so unrein, wie du denkst oder wie andere dir zu verstehen geben … Du bist nicht völlig ausgemustert – du bist noch im Umlauf.“

Dieses Buch habe ich langsam und mit Genuss gelesen. Mit einem tiefen Seufzen habe ich die letzte Seite umgeblättert, mit dem sicheren Wissen, dass dies nicht mein letztes gelesenes Buch dieser englischen Autorin war.

„Willige elektromagnetische Wellen waren von ihrem Telefon ausgegangen, über Dächer, durch Fenster und durch Wände, über ahnungslose Köpfe hinweggereist – oder wie auch immer sie sich fortbewegten -, und waren in ihn hineingesickert, hineingehüpft, hatten sich in ihn hineingeschlängelt und den Klang ihres Lachens gebracht, weil er etwas gesagt hatte, was ihr gefiel.“

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