Writers & Lovers von Lily King

 

Writers & Lovers ist eines der Bücher, das mich schon nach wenigen Seiten am Haken hatte, so wie es die Leseprobe bereits vermuten ließ.  Eine Frau Anfang 30 mit einer nur mäßig erfolgreichen Vergangenheit hat den unbezwingbaren Wunsch endlich ihren Roman zu beenden und sich aus den Klauen ihrer negativen Erlebnisse zu befreien.  

Lily King hat eine sympathische, interessante Frauenfigur geschaffen, deren Geschichte sie in wunderbarer Sprache erzählt. Schonungslos und doch zart, ernst und humorvoll, mit köstlichen Dialogen. Mein Buch ist voller Markierungen mit Sätzen, die berühren und gespeichert werden möchten. 

Ich habe dieses Buch in 2 Tagen gelesen, das ist für mich untypisch. Aber der Sog der offenen Fragen zog mich durch das Buch wie ein starker Wind einen Surfer vorantreibt. 

Schafft es diese kluge, vorsichtige, angeschlagene und doch starke Frau, sich aus ihrer misslichen Situation zu befreien? Kann sie ihr Buch abschließen, den Tod ihrer Mutter bewältigen, den Schuldenberg abbauen. Gelingt es ihr, in ihrem Job als Kellnerin nicht durchzudrehen? Ihre Angst zu besiegen? Die kleine Kammer zu verlassen, in der sie wohnt? Sie lernt zwei Männer kennen und lieben, beide sehr unterschiedlich. Für wen wird sie sich entscheiden? 

Als Leser habe ich ihr zurufen wollen: Vergiss deinen Vater, der dich zur erfolgreichen Golfspielerin machen wollte und heimlich Mädchen begafft hat! Verlass dich auf deine Freundin Muriel und deinen Kollegen Harry. Sie meinen es gut mir dir. Und bitte schreibe deinen Roman! Fertig! Reich ihn ein!

Die Persönlichkeit der Figur Casey, die King geschaffen hat ist toll. Der Schreibstil packend und schön.  Und ihr merkt, Fragen, die die Geschichte durch die Seiten treiben, gibt es reichlich. Und Männern, denen man in den „Allerwertesten“ treten möchte, auch.

Direkt am Anfang äußert sich ihr Nachbar und Vermieter zu ihren Versuchen als Schriftstellerin: „Weißt du“, er stößt sich von seinem Auto ab, wartet, bis er meine volle Aufmerksamkeit hat, „ich staune nur immer wieder, dass du glaubst, du hättest etwas zu sagen.“

Das Buch ist keinesfalls nur ernst und traurig. Viele Stellen zaubern ein Lächeln hervor.  

Natürlich spielt das Thema Bücher und Schriftstellerei neben der Liebe und der Vergangenheitsbewältigung eine große Rolle im Buch. 

„Mit jemandem die Liebe zu einem Buch zu teilen, stiftet eine ganz eigene, beglückende Art der Verbundenheit.“

„Kellnerst du morgen Abend auch?, fragt er.

„Ja. Eigentlich jeden Abend. Wieso?“

„Ich versuche, mich mit dir zu verabreden.“

„Aber ich kann mich nicht mit einem Mann treffen, der in drei Jahren nur elfeinhalb Seiten geschrieben hat. So etwas überträgt sich.“

 

 

„Ich singe für die Gänse. Und ich spüre meine Mutter. Es fühlt sich anders an, als an sie zu denken oder mich nach ihr zu sehnen. Ich spüre sie ganz nah bei mir. Ich weiß nicht, ob sie der Fluss ist, die Gänse, der Himmel, der Mond. Ich weiß nicht, ob sie in mir ist oder irgendwo außerhalb, aber sie ist da. Ihre Liebe erreicht mich. Und meine Liebe erreicht sie. Eine kurze, mühelose Berührung.“

 

„Wie viel Kraft es gekostet hat, etwas in sich zu vergraben, merkt man erst, wenn man es wieder ans Licht holen will.“

 

„Alles, was ich will, ist, Geschichten schreiben. Nur dafür schleppe ich mein Gepäck aus Schulden und Träumen herum und liege der Gesellschaft zur Last.“

 

„Es weint sich so leichter, wenn jemand die Arme um einen legt.“

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„Ich habe Angst vor Männern, wenn ich um diese Nachtzeit zu Fuß unterwegs bin statt mit dem Fahrrad. Ich habe Angst vor Männern in Autos und Männern in Hauseingängen, Männern in Gruppen und Männern allein. Ich fühle mich bedroht von ihnen. Bedroht von ihrer Körperkraft. Ihrer Verlogenheit. Ihrer Gestörtheit.“

 

Lest diese Geschichte einer Frau, die an sich selber wächst. Großartig! 

 

 

Danke an den C.H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar!

Habt eine schöne Lesezeit!

 

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